UNICEF-Gala 2011
20. Magdeburger Sparkassen-UNICEF-Gala 2011 im Gartensaal Gesellschaftshaus
Guter Zweck- zu wenig Besucher
Von Bettina Höft
Adventszeit und ein klassisches Programm ist mit gefüllten Sälen verbunden, vor allem bei einem Programm das Musik mit dem Rossini-Quartett, in Begleitung des bekannten Pianisten Herman Müller und ein zu erwartetendes anspruchsvolles Auftreten der Theaterballettschule Magdeburg und junger Talente des Konservatoriums "Georg Philipp Telemann" verspricht.
Traditionell und in diesem Jahr zum 20. Mal fand die Gala am 03.Dezember 2011 im Gesellschaftshaus statt. Die Kinderhilfsorganisation UNICEF Magdeburg und die Stadtsparkasse Magdeburg luden zu diesem Benefizkonzert ein und der Rahmen und das Programm waren stimmig. Leider war der Saal nur etwa halb gefüllt und das war sehr Schade, denn ein so hochklassiges Konzert erleben zu können und nebenbei noch zu helfen, ist eine sehr gute Symbiose. Die Besucher die kamen, unter ihnen Schirmherr Wolfgang Daehre (bis 2011 Minister für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt) und Helga Kleinert (bis 2011 langjährige Chefin der Magdeburger Gruppe), spendeten um so mehr, denn die Glaswürfel füllten sich recht schnell und das fast nur mit Geldscheinen!
Und sie kamen ins Schwärmen – denn nichts passt so schön an einem Adventabend, wie das Ballet „Nussknacker“ und daraus der „Blumenwalzer“ und der Reigen des „Spanischen und des Russischen Tanzes“, dazu junge hinreißende Eleven der Theaterballettschule.
Unter der Leitung von Irene Schneider, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Theater Magdeburg als Ballettdirektorin und Chefchoreografin, der 1995 gegründeten Theaterballettschule Magdeburg e.V. mit hohem künstlerische Niveau dieser nichtprofessionellen Ausbildungsstätte Leben einhaucht, tanzten die Mädchen in ihren wunderschönen Originalkostümen mit jugendlicher Frische und tänzerischer Unbekümmertheit, aber mit exakter Körperhaltung.
Noch einmal „Russischer Tanz“, diesmal als Klavierstück mit Anastasiya Novoseletska als zauberhafte Pianistin. Gemeinsam mit Jenny Glöckner, die Blockflöte spielte, konnten die Zuschauer Anastasiya noch einmal erleben. Das Stück von John Baston (1711-1733) „Concerto D-Dur Nr.6“ wurde hier mit dem Holzblasinstrument, welches sanft Konturen zeichnete, dem Klavier stimmig zugeordnet. Junge Talente des Konservatoriums "Georg Philipp Telemann", so auch im ersten Stück und damit zur Einleitung dieses schönen Abends. Für die jungen Künstler Keisuke Yamashita (Violine) – wenn ihnen der Name bekannt vorkommt, sein Vater Yoichi Yamashita ist allen Philharmonie- und Kammerorchesterfreunden vertraut – und Toni Pohl (Klavier) war es sicher am Schwersten, aber das zeigten sie nicht. Mozarts „Sonate für Violine e-Moll KV 304“ war einfach ein zauberhaftes Zusammenspiel.
Ein ganz besonderer Höhepunkt war das vierhändige Klavier mit Henrike Mangelsdorf und Paula Wiens. Diese beiden kleinen Mädchen spielten so hinreißend die „Polonaise B-Dur op.61“ von Franz Schubert (1797-1828), dafür gab es großen Applaus.
Nach der Pause spielte das Rossini-Quartett gemeinsam mit dem Magdeburger Pianisten Hermann Müller. Seit 20 Jahren lädt das UNICEF-Benefizkonzert ein und seit 20 Jahren ist das Rossini-Quartett wichtiger musikalischer Partner. „Als wir unser Ensemble 1989 gründeten, haben wir nach karitativen Betätigungsfeldern gesucht und kamen damals mit Helga Kleinert ins Gespräch“ sagt Violinist Marco Reiß. Seit 1991 dabei – für das Rossini-Quartett „…ein Selbstverständnis" und „Wir freuen uns, wenn wir helfen können."
Das “Quartett f-Moll für Klavier, Violine, Viola und Violoncello op.6” von Prinz Louis Ferdinand von Preußen wurde mit Hermann Müller am Flügel ein Meisterwerk. Obwohl das Klavier eine dominierende Bedeutung hat, können auch die Streicher ihre Virtuosität sehr spannend ausleben, da der Komponist Entfaltungen freien Raum lässt. Hell perlend mit schönen Klangeffekten und den Flügel zum Singen bringend, immer mit Glanz aber auch rhythmisch prägnant mit musikalischen Strukturen, so ein grandios souveräner Hermann Müller. Das Rossini-Quartett zu Dritt mit Marco Reiß (Violine), Ingo Fritz (Viola) und Marcel Körner (Violoncello) gaben auch immer wieder die Tongestaltung an, sehr präsent im Menuetto, beruhigend im Adagio. Wunderschön kann man immer wieder nur sagen, so sehr gefühlvoll und träumerisch; aber auch gedankliche Tiefe wurde mit Nachdruck zelebriert.
Das 40-Minuten Werk von Luis Ferdinand von Preußen fasziniert mit einer kühnen Harmonik, die von weitausgreifenden Melodien untermalt wird. Er fand zu seiner Zeit schon die Anerkennung durch Beethoven, Schumann, Liszt und Mendelsohn-Bartholdy und diese wunderschöne, schwärmerische Ausrichtung wurde wegweisend für viele nachfolgende Komponisten. Der frühe Tod des Prinzen auf dem Schlachtfeld bei Saalfeld im Jahre 1806 und die nachfolgende Glorifizierung seines Soldatenlebens, reduziert das Schaffen des empfindsamen Komponisten. Sicher konnte er aber auch gerade deswegen seine melancholischen Stimmungen, er soll den Tod in der Schlacht regelrecht gesucht haben, durch diese romantischen Züge in Musik verpacken. Verblüffende Ausschweifungen und fast energische dynamische Schritte zeigen das Werk eines musikalischen Soldaten, der zerrissen war „…Louis ist wirklich mit der größten Liebe im Herzen gestorben...“ schrieb 1811 seine Geliebte Pauline Wiesel in einem Brief an Rahel Levin und „…was ist der Mensch? Wie wenig, wie unbedeutend in der Welt, und wie vieler Empfindung fähig...“
So erklang wunderschön melancholisch, aber ebenso leidenschaftlich dieses Werk, genauso … und beendete einen ganz besonderen Abend.
Datum: 03.12.2011 um 19.30 Uhr
Veranstaltungsort: Gesellschaftshaus
20 JAHRE UNICEF-GALA
Rossini Quartett Magdeburg & Hermann Müller (Klavier)
Schülerinnen derTheaterballettschule Irene Schneider
Schüler/Schülerinnen desKonservatoriums Georg Philipp Telemann
-EINTRITT FREI- um Spenden wird gebeten















