Hello, Dolly!
Eine musikalische Komödie
Broadway-Atmosphäre im Magdeburger Theater
Von Bettina Höft

Leonhard Prinsloo hat am Samstagabend mit der Premiere von "Hello, Dolly!", eine rasante Kuppelshow inszeniert. Ein ganz klassisches Musical, ebenso klassisch auf die Bühne gebracht, keine Neuinszenierung - dafür sehr gut gemacht, sehr gut besetzt und mit einer großen Portion Ironie und Niveau. Die Musical-Erfolge des Magdeburger Theaters haben sich nicht nur in der Fachwelt herumgesprochen, sondern begeistern auch das Publikum.
Und am Ende beknieten nicht nur die Kellner des New Yorker Nobelrestaurants „Harmonia Gardens“ die von April Hailer gesungene Hauptfigur, sondern auch das Publikum. In der zentralen Rolle vereint April Hailer alles, was man von einem Musical-Star erwartet: Charmantes Aussehen, schauspielerische und komödiantische Gewandtheit, tänzerische Eleganz und einschmeichelnde Songs. Sie berührt, verführt, macht lachen und weinen − ist eine brillante Dolly.
"Die Dolly war schon seit langer Zeit mein Traum, weil sie die gesamte Vielfalt des künstlerischen Ausdrucks bietet“ so April Hailer in einem Gespräch.
Das Musiktheater mache sie glücklich, unterstreicht die Schauspielerin und Sängerin immer wieder, die aber auch musikalische Bühnenprogramme schreibt, in Fernsehserien von "Tatort" bis "Traumschiff" zu sehen war, im Friedrich-Stadtpalast große Shows darbot, eine eigene Fernseh-Show im ZDF hatte und immer wieder als Schauspielerin auf der Bühne steht.

In Jerry Hermans erfolgreichem Broadway-Musical „Hello, Dolly!“ wird schwungvoll vorgeführt, wie man sich den Partner seiner Träume schnappt und gehört zu den erfolgreichsten Musicalkompositionen überhaupt. Die Vorbilder für die Story des nach seiner Uraufführung im Jahr 1964 mit zehn Tony Awards preisgekrönten und 1969 mit Barbra Streisand und Walter Matthau verfilmten Werkes lassen sich bis zu Johannes Nepomuk Nestroys „Einen Jux will er sich machen“ zurückverfolgen.

Diese Premieren-Veranstaltung nimmt aus dem Stand Fahrt auf und ist mit all seinen Verwechslungen und Irrungen, mit Ironie, Dialogwitz und augenzwinkernder Nostalgie bis zum Ende nicht mehr zu bremsen. Die Darsteller sind üppig und aufwändig auf die 50er Jahre zurecht gekleidet, (Bühne/Kostüme, Monika Biegler) die Petticoats rauschen, die Bühnenmaschinerie mit Drehbühne, die schnelle Verwandlungen ermöglicht, funktioniert mit elegantem Timing.

Einerseits ist das Provinznest Yonkers Schauplatz, wo der sparsam-schrullige Horace Vandergelder (Markus Liske) seine Umgebung unter Druck hält, der seiner Nichte Ermengarde (Jenny Stark) verbietet den Ambrose Kemper (Pawel Stanislawow) zu heiraten, sich selber aber auf Freiersfüßen begibt.
Andererseits ist New York die turbulente Hauptstadt der Ort des Geschehens. Dort arrangiert die Heiratsvermittlerin Dolly Gallagher−Levi nicht nur Beziehungen, sondern alles, was das Leben so heranbringt. Auch sind hier Cornelius Hackl (Michael Ernst) und Barnaby Tucker (Ilja Werger), die in Liebe und Leichtsinn entflammten Vandergelder−“Sklaven”, verbotenerweise in Turbulenzen geraten. Beide überzeugten mit Witz und Charme, als sie sich einen lustigen Tag in der Hauptstadt genehmigen und sind herrlich anzusehen, wie sie für einige Cents ihre angebeteten Damen durch New York kutschieren und in eines der vornehmsten Restaurants ausführen.
Die umtriebige Mrs. Dolly Levi, ihres Zeichens Witwe, Heiratsvermittlerin, eigentlich Expertin für alle Lebenslagen, von der Finanzberatung bis zur Lehrerin und Rechtsanwältin (köstlich wie sie immer die passende Visitenkarte zur Hand hat), möchte sich, auch wenn sie sich für den vermögenden Geizkragen Horace Vandergelder auf Frauensuche begibt, eigentlich doch selbst wieder an eine starke Männerbrust lehnen. So steht ihr Entschluss fest: Sie selbst wird Mrs. Vandergelder, ihrem verstorbenen Ephraim bittet sie für dieses Arrangement mal rührend, mal energisch um ein Zeichen.
Barnaby und Cornelius, die beiden jungen Angestellten in Vandergelders Kaufmannsladen treffen im Hutgeschäft auf Irene Molloy (Sigrid Brandstetter), die von Vandergelder zuerst Auserkorene, und deren Angestellte Minnie Fay (Julie Martin du Theil), sie finden Gefallen aneinander und verabreden sich trotz leerer Geldbörsen zum Essen im exklusiven Harmonia Gardens.
Broadway-Atmosphäre bei der Stars-and-Stripes-Parade, Parade zum Unabhängigkeitstag auf der 14. Straße, auf der sich alle wiederfinden. Das Ballett, der Chor und Statisterie sorgten für pralle, sehenswerte Massenszenen, die Falle des Klischees schlug nur beim Auftritt von albernen, allseits bekannten Comic-Figuren zu.

Höhepunkt ist der große Auftritt von Dolly im Harmonia Gardens, eine solch gute darstellerische Leistung, besonders in den komischen Szenen, in der ihr auch die Kabarett-Erfahrung zu Gute kommt, macht ihr so rasch keiner nach.
Wenn sie dann den Titelsong singend, im langen, geschlitzten roten Kleid, die Revuetreppe hinab gleitet - kann ihr keiner mehr widerstehen und sie wird vom Oberkellner Rudolph (Wolfgang Klose) und seinen flinken Angestellten überschwänglich empfangen.
Horace Vandergelder steht ihr nur wenig nach, dass er über weite Strecken etwas steif wirkte, ist sicher der Rolle geschuldet. Sein Schutzpanzer der so dick war, dass wenig Menschlichkeit oder amourösen Avancen ihn durchbrechen konnten, ließ ihn letztlich doch im Stich und vor dem Charme der Dolly kapitulieren - vorher musste er sich noch mit der sehr extravaganten und höchst unkultivierten Ernestina (Regina Most) treffen, ein kluger Schachzug von Dolly.
Jeder Mann hat gern eine anmutige und zarte Frau an seiner Seite, die ihm das Leben versüßt oder, um es mit den Worten von Horace Vandergelder zu sagen, den Müll rausbringt. Der beste Spruch in “Hello, Dolly!” ist aber Thornton Wilder (“The Matchmaker”) zu danken: “Die Ehe ist ein Bestechungsversuch, um eine Haushälterin glauben zu machen, sie wäre Hausbesitzerin.”
„Ja man braucht ein Frauchen“ ein wundervoller Evergreen.
Ob Dolly das „Frauchen“ ist, das sich der grantelnde Brummbär am Herd und auf dem Sofa wünscht, muss man nicht mal bezweifeln.
Im Verlaufe einer turbulenten Handlung aus Verwechslungen, Verwirrungen und Verstellung landen die Hauptpersonen vor einem New Yorker Gericht: Doch die einzige Schuld aller besteht nur darin, verliebt zu sein. Am Ende finden sich alle jungen Paare.
Immer wieder gab es beachtlichen Szenenapplaus für dieses Musical-Evergreen, der immer in Mode bleiben wird.
Die Magdeburgische Philharmonie unter der Leitung von Pawel Poplawski ist dafür verantwortlich, dass man die Melodien des Kultmusicals noch lange im Ohr trägt – die wirklich hervorragende Gesamtleistung des Ensembles entlässt nach tosendem Applaus und stehenden Ovationen das Publikum beschwingt in die Nacht.

Premiere: Sa, 12.11.2011
Spielort: Opernhaus / Bühne

Termine:
Sa, 19.11.2011 19:30
Fr, 02.12.2011 19:30
Fr, 30.12.2011 19:30
So, 15.01.2012 16:00
Sa, 04.02.2012 19:30
Sa, 18.02.2012 19:30
Fr, 02.03.2012 19:30
Sa, 07.04.2012 19:30
So, 13.05.2012 18:00
Sa, 26.05.2012 19:30

http://www.theater-magdeburg.de

Rezension von Oliver Scheer (auch Mitstreiter bei erlebtes.kukma.net):

http://www.youngspeech.de/index/kultur/theater/hello-dolly/